VMware oder Proxmox VE: Welche Plattform rechnet sich für einen bestehenden Virtualisierungsbetrieb? Das lässt sich nicht aus dem Lizenzpreis allein ableiten. Entscheidend sind ein vergleichbarer Funktionsumfang, belastbare Herstellerangebote, Betriebsstunden und ein getesteter Wechselpfad. Das folgende Drei- und Fünfjahresmodell macht diese Posten sichtbar, ohne einen nicht öffentlich belegten VMware-Preis zu erfinden.
Ein fiktives Unternehmen betreibt drei Hosts mit je zwei belegten CPU-Sockeln und 24 physischen Kernen pro Sockel. Das sind sechs Sockel und 144 Kerne. Es benötigt virtuelle Maschinen, Wartung mit möglichst wenig Unterbrechung, eine definierte Ausfallstrategie und wiederherstellbare Sicherungen. Die Hardwareform ist nur eine gemeinsame Rechenbasis, keine Empfehlung für ein konkretes Servermodell. Für einen echten Vergleich muss DAXS zunächst Anwendungen, Last, Storage, Netzwerk, Supportfenster und Wiederanlaufziele aufnehmen.
Was wird bei beiden Plattformen tatsächlich bepreist?
Bei VMware muss zuerst das konkrete Produkt im Angebot stehen. In diesem Beispiel wird VMware vSphere Foundation (VVF) als Vergleichsoption angenommen. Broadcom beschreibt dafür eine Lizenzierung nach physischen Kernen mit mindestens 16 Kernen je CPU. Die 24 Kerne pro Host liegen über diesem Minimum: 3 × 2 × 24 = 144 zu lizenzierende Kerne. Der Jahrespreis je Kern, mögliche Mindestabnahmen, Bundle-Bestandteile, Support und die Vertragslaufzeit gehören in ein aktuelles schriftliches Angebot. Ein Preis für vSphere Standard wäre kein austauschbarer VVF-Preis.
Für Proxmox VE sind die Kernfunktionen auch ohne kostenpflichtige Subskription verfügbar. Wer Enterprise-Repositories und Herstellersupport einplant, kalkuliert die Subskription je belegtem CPU-Sockel und Clusterknoten. Die deutsche Preisliste nennt für VE Standard derzeit 550 € pro Sockel und Jahr; sechs Sockel ergeben 3.300 € pro Jahr. Das ist ein Listenwert ohne individuelle Vertragskonditionen. Wird Proxmox Backup Server (PBS) mit Standard-Subskription als gesonderte Sicherungskomponente verwendet, nennt dessen Preisliste 2.240 € pro Backup-Server und Jahr. Ein PBS-Server ist in dieser Modellrechnung enthalten. Ob diese Sicherungsarchitektur fachlich und betrieblich der bestehenden Lösung entspricht, ist gesondert zu prüfen. „Proxmox ist kostenlos“ wäre für dieses Support- und Backup-Szenario eine falsche Kostenannahme.
Editierbares Rechenmodell für drei und fünf Jahre
Die folgende Tabelle ist eine hypothetische Planungsrechnung in Euro, kein Angebot von DAXS oder einem Hersteller. Der interne Stundensatz von 90 €, 60 beziehungsweise 80 Betriebsstunden pro Jahr und die einmaligen Aufwände sind ausdrücklich gesetzte Annahmen. q ist der tatsächlich angebotene VVF-Jahrespreis je lizenziertem Kern; b ist der jährliche Preis der für VMware erforderlichen Sicherungslösung. Beide Variablen bleiben offen, bis Angebote und Leistungsumfang vorliegen.
| Kostenbaustein | Proxmox VE + PBS | VMware VVF + Backup |
|---|---|---|
| Plattform pro Jahr | 6 × 550 € = 3.300 € | 144 × q |
| Backup-Subskription pro Jahr | 1 × 2.240 € = 2.240 € | b |
| Betrieb pro Jahr | 80 h × 90 € = 7.200 € | 60 h × 90 € = 5.400 € |
| Einmaliger Aufwand | 15.000 € Wechsel/Test/Abnahme | 2.000 € Verlängerung/Abnahme |
| Summe nach 3 Jahren | 53.220 € | 18.200 € + 432q + 3b |
| Summe nach 5 Jahren | 78.700 € | 29.000 € + 720q + 5b |
So wird die Rechnung reproduzierbar: Proxmox nach drei Jahren = 15.000 + 3 × (3.300 + 2.240 + 7.200) = 53.220 €. Nach fünf Jahren = 15.000 + 5 × 12.740 = 78.700 €. Auf VMware-Seite stehen 2.000 + 3 × (144q + b + 5.400) beziehungsweise 2.000 + 5 × (144q + b + 5.400). Erst wenn q und b durch echte Angebote belegt sind, ist ein Kostensieger ausrechenbar.
Die Rechnung reagiert deutlich auf Annahmen: 10 € mehr pro Kern und Jahr erhöhen die VMware-Seite um 4.320 € über drei und 7.200 € über fünf Jahre. 20 zusätzliche Betriebsstunden jährlich zu 90 € erhöhen die betroffene Seite um 5.400 beziehungsweise 9.000 €. Gerade die angesetzten 80 statt 60 Stunden sind keine Hersteller-Eigenschaft. Ein eingespieltes Proxmox-Team kann andere Werte erreichen; ein neues Team muss Schulung, Fehlersuche und Rufbereitschaft realistisch einplanen.
Welche Kosten fehlen im vereinfachten Modell?
Identische Hosts können bei der ersten Gegenrechnung als gemeinsame Kosten ausgeklammert werden. Sobald eine Variante andere Server, mehr RAM, Storage-Kapazität, 10/25-Gbit-Netzwerk, Strom, Housing oder Supportlaufzeiten benötigt, gehören die Differenzen hinein. Außerdem sind Windows- und Anwendungs-Lizenzen, Monitoring, Security, Testumgebung, externe Dienstleister, Ausfallkosten und Hardwareersatz zu prüfen. Bei einem Wechsel können parallele Laufzeiten beider Plattformen entstehen. Sie sind im obigen Einmalwert nur pauschal angenommen, nicht nachgewiesen.
Funktionen müssen vor dem Preisvergleich abgenommen werden: Live-Migration, Cluster- und Storage-Verhalten, Rechte, API/Automatisierung, Backup-Aufbewahrung, Verschlüsselung, Restore und Support-Reaktionszeit. Proxmox VE bietet integrierte Virtualisierung, Cluster und HA-Funktionen; daraus folgt noch keine Gleichwertigkeit mit einer konkreten VMware-Installation. Auch PBS ersetzt nicht automatisch jede bisherige Backup-Funktion. Ein Restore-Test einer fachlich wichtigen VM ist aussagekräftiger als eine Featureliste. Die Unterschiede zwischen erfolgreichem Backupjob, Verifikation und Wiederanlauf erläutert der DAXS-Beitrag Proxmox Backup Server: Verify, Aufbewahrung und Restore.
Wie DAXS zur belastbaren Entscheidung kommt
Die Ausgangslage beginnt mit dem Inventar: CPU-Sockel und physische Kerne je Host, VMs, Spitzenlast, Storage, Backups, Verträge, Support und Abhängigkeiten. Danach fordert DAXS ein VMware-Angebot für genau den benötigten Produktumfang und ein passendes Proxmox-Supportmodell an. Gemeinsam mit dem Betreiber setzt DAXS realistische Stunden, Migrationsfenster und Abnahmetests in die editierbare Tabelle ein. Drei Varianten sind möglich: VMware behalten, begrenzt parallel betreiben oder nach erfolgreichem Pilot umstellen. Der Pilot braucht einen dokumentierten Rückweg und einen fachlichen Anwendungstest. Der DAXS-Beitrag Von VMware zu Proxmox: Erst die Anwendung abnehmen beschreibt diesen Schritt; Proxmox im Unternehmen erklärt die Plattformgrundlagen.
Wer die Zahlen für die eigene Umgebung aufstellen möchte, kann DAXS mit Host-Inventar, aktuellem VMware-Vertrag und Backup-Anforderungen über Kontakt ansprechen. Eine Entscheidung ist erst belastbar, wenn Leistungsumfang, Preis und Betriebsrisiko für dieselben Anwendungen zusammenpassen.
Quellen: Proxmox VE: deutsche Subskriptionspreise · Proxmox Backup Server: Preise · Proxmox VE: Funktionsübersicht · Broadcom: Core-Lizenzierung und CPU-Mindestwerte · Broadcom: separate Produktbedingungen für vSphere Standard.
